Irreführender Bericht über die Kämpfe am 10. November 1914
Aus Geschichtspfad.de
Nördlich von Ypern kam es während des Ersten Weltkriegs am 10. November 1914 zu einem verlustreichen und militärisch sinnlosen Gefecht. Die Oberste Heeresleitung (OHL) kommentierte dies am 11. November mit einem irreführenden und folgenreichen Bericht, der von fast allen deutschen Zeitungen auf der ersten Seite abgedruckt wurde:
"Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange „Deutschland, Deutschland über alles“ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie. Etwa 2000 Mann französischer Linieninfanterie wurden gefangengenommen und sechs Maschinengewehre erbeutet."
Dieser Bericht wurde von großen Teilen der deutschen Bevölkerung unkritisch aufgenommen und löste die Entstehung des Mythos von Langemarck, eines Mythos über den heldenhaften Opfergang junger Soldaten aus.
Obwohl die Schlacht nicht bei Langemark stattgefunden hatte, wurde dieses zur Verklärung der Tatsachen so genannt, da der reale Schauplatz (zwischen Noordschote und Bikschote) sich nicht so heroisch anhörte wie Langemark. Vermutlich um das Wort noch mehr einzudeutschen oder näher an den Namen Bismarck zu bringen, wurde Langemark noch ein c hinzugefügt, dadurch findet der Ortsname Langemarck im Kontext zum Langemarck-Mythos eher Gebrauch als der noch heute existieren Ortsname Langemark in Belgien.
Karte von den Ortschaften Langemark, Ypern, Noordschote und Bikschote
Zudem wurde nicht von dem maßgeblich beteiligten XXVII. Reservekorps, sondern allgemeiner und vielsagend von jungen Regimentern geschrieben. Da die deutschen Soldaten bei diesem Gefecht mit ihrer fast 30 Kilogramm schweren Ausrüstung über unwegsame Rübenäcker stürmen mussten, wird mitunter bezweifelt, dass sie dabei sangen. Viel wahrscheinlicher ist, dass durch die Erwähnung der ersten Zeile des Deutschlandlieds der Eindruck erweckt werden sollte, dass es bei dem besagten Angriff zum spontanen Ausbruch patriotischer Gefühle kam.
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