Ergebnis des Arbeitskreises Straßennamen - Teil 2
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Ergebnis des Arbeitskreises Straßennamen: Teil 1 | Teil 2 | Download (PDF)
Siehe auch: Historisch belastete Straßennamen in der Bremer Neustadt
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Inhaltsverzeichnis |
Ausführliche Beschreibungen- Geschichtlicher Hintergrund
Gneisenau Straße
August Graf Neidhardt von Gneisenau, preußischer Offizier, *27.10.1760 Schildau bei Torgau, †23.08.1831 Posen; nahm 1782/83 mit ansbachischen Truppen am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teil; seit 1786 in preußischen Diensten; rückte nach der Verteidigung Kolbergs 1806/07 in die militärische Führung Preußens auf und war mit Scharnhorst und Boyen die treibende Kraft bei der preußischen Heeresform; hatte 1813- 1815 als Stabschef G. L. von Blüchers großen Anteil an den Erfolgen der Befreiungskriege.
| 1812 | 24. Februar | Preußen schließt mit Frankreich ein Bündnis |
| 20. März | Kabinettsorder an Gneisenau, Entfernung als Staatsrat und der Armee - somit verließ Gneisenau Preußen ein weiteres Mal | |
| März | Reisen in diplomatischer Mission - Österreich zu Erzherzog Karl | |
| 1813 | Januar | Rußland - Treffen mit Zar Alexander I.; weiter nach Riga, Schweden und England |
| 11. März | Nach der Konvention von Tauroggen (30.12.1812) kehrte Gneisenau über Kolberg nach Breslau an den preußischen Hof zurück. Beförderung zum Generalmajor und Einsatz als zweiter Generalquartiermeister in der schlesischen Armee unter Blücher | |
| 1. Mai | Schlacht bei Großgörschen | |
| 8. Juni | Generalgouverneur in Schlesien | |
| 21. Juni | Ernennung zum Generalquartiermeister der Armee | |
| 26. Juni | Tod Scharnhorsts, Gneisenau wird Blüchers Generalstabschef | |
| 31. August | Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse | |
| 16. Oktober | Völkerschlacht bei Leipzig (die Armee Blüchers zieht als erste Armee in das von napoleonischen Truppen besetzte Leipzig ein) | |
| 8. Dezember | Beförderung zum Generalleutnant | |
| 1814 | 3. Juni | Erhebung in den Grafenstand |
| 11. November | Schenkung des Königs Gut und Schloß Sommerschenburg (Bördekreis) | |
| 1815 | 18. Juni | Schlacht bei Waterloo (Belle-Alliance) - Napoleons einst so stolze Große Armee wird von den preußischen Truppen unter Gneisenau endgültig geschlagen (Blücher war erkrankt). Gneisenau gilt bis heute als der eigentliche Sieger über Napoleon |
| 28. Juni | Auszeichnung mit dem höchsten preußischen Orden, dem Schwarzen-Adler-Orden | |
| 10. Juli | Beförderung zum General der Infanterie | |
| Dezember | Übernahme des Generalkommandos am Rhein mit Sitz in Koblenz |
Graudenzer Straße
Friedrich II kannte den Werte starker Festungen, sie dienten für ihn jedoch der Stützung offensiver Feldheere. Die Verteidigung durch Festungen sollte sich auf die strategischen Punkte des preußischen Staates beschränken. Das hieß vor allem die Sicherung Schlesiens und der Oderlinie. Während seiner Herrschaft wurden Graudenz und Silberberg als Sperrfestungen neu errichtet.
Die Stadt Graudenz, polnisch Grudziadz (Aussprache etwa wie "Grudsjongs") ist eine Stadt in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen. Grudziądz hat 100.000
Einwohner und liegt am rechten Ufer der Weichsel nördlich von Toruń. Die Stadt ist
bekannt für ihre schöne landschaftliche Lage und ihre schöne Altstadt.
Geschichte:
- 10. Jahrhundert - erste Siedlung
- 1233 - wurde die Stadt Graudenz vom Deutschen Orden gegründet
- 1291 - erhielt Graudenz Kulmer Stadtrechte
- Im 14. Jahrhundert war die Stadt ein Zentrum des Getreidehandels
- 1466 - Teile von Preußen unter polnische Krone
- 1772-1920 Graudenz im Königreich Preußen, ab 1871 im Deutschen Reich. 1920 wurde die Stadt trotz ihrer deutschen Bevölkerungsmehrheit (84%, im Landkreis Graudenz 58%) als Teil des Polnischen Korridors von Deutschland abgetrennt.
Am 10. Oktober 1806 nimmt Gneisenau unter dem Befehl des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen im Gefecht bei Saalfeld erstmals an Kampfhandlungen gegen die Truppen Napoleons teil und wird verwundet, nimmt aber trotzdem an der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 teil. Er entkommt zum Sammelpunkt der geschlagenen preußischen Armee nach Graudenz (Grudziadz).
Kolberg
Kolberg: polnische Hafenstadt und Seebad in Pommern, an der Mündung der Persante in die Ostsee, 38 700 Einwohner; Mariendom (13./14. Jahrhundert); Fischerei, Fischräuchereien, Nahrungsmittel- und Textilindustrie; Solbad. - Slawische Siedlung im 7.Jahrhundert, im 11. Jahrhundert polnisches Bistum, 1284 Hansestadt; 1807 erfolgreich gegen die Franzosen verteidigt (unter A. von Gneisenau und J. Nettelbeck); im 2. Weltkrieg zu 90% zerstört.
Kolberg wurde bereits im siebenjährigen Krieg drei mal von den Russen belagert und
geriet im Jahr 1761 in ihre Hände.
Nachdem die preußische Armee bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 geschlagen
worden war, bot in Preußen nur noch die Festung Kolberg bis Juli 1807 entschlossenen
Widerstand gegen die feindlichen Okkupanten. "Lieber unter Trümmern begraben, als
kapitulieren!" - so die gleichnishaften Worte des Bürgermeisters von Kolberg, Joachim
Nettelbeck (1738-1824).
Der Film
Nur wenige Monate vor der sich abzeichnenden Niederlage des Deutschen Reichs im WK II sollte der Film "Kolberg" die deutsche Bevölkerung in den Kinos zum Durchhalten
aufrufen. Der von Propagandaminister Goebbels im Sommer 1943 in Auftrag gegebene
"größte Film aller Zeiten" erzählt unter der Regie von Veit Harlan die Geschichte der
Verteidigung der pommerschen Stadt Kolberg (heute: Kolobrzeg/Polen).
Trotz der schwierigen Versorgungslage gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der mit
8,5 Millionen Reichsmark teuerste Film in der NS-Zeit mit enormem Aufwand und unter
ständiger Bedrohung durch Luftangriffe gedreht. Für die zahlreichen, auf einem Feld
zwischen Berlin und Potsdam gedrehten Massenszenen stellte die Wehrmacht rund 5.000
Mann zur Verfügung. Ganz bewußt fand die Uraufführung des Films am 30. Januar 1945,
dem zwölften Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme, vor deutschen
Soldaten in der eingeschlossenen Atlantikfestung La Rochelle statt, die bis zur deutschen
Kapitulation in ihrer Hand blieb. Mit einer Durchhalteparole versehen, waren die Filmrollen
per Fallschirm über der Stadt abgeworfen worden. Im Deutschen Reich feierte "Kolberg"
im Berliner Tauentzienpalast Premiere, keine 80 Kilometer davon entfernt hatte die Rote
Armee bereits die Oder und Neiße erreicht. Es war die letzte Uraufführung eines Films im
NS-Regime. Da die Kinos in vielen Städten zerstört und die Bevölkerung angesichts des
Kriegsgeschehens auf deutschem Boden von weitreichenderen Sorgen bedrückt waren,
konnte der Film seine beabsichtigte propagandistische Wirkung nicht mehr entfalten.
Langemarck
Gemeinde in Westflandern bei Ypern. Im ersten Weltkrieg insbesondere in der Zeit von Mitte Oktober bis Ende November 1914 schwer umkämpft. Hierbei trafen hastig zusammengestellte und unerfahrene deutsche Reservistenverbände (überwiegend Schüler und Studenten), die ohne Artillerieunterstützung auskommen mussten, auf gut ausgerüstete britische Verbände. Nachdem die Deutschen Langemarck in der zweiten Oktoberhälfte kurzzeitig eingenommen, dann aber wieder aufgegeben hatten, versuchten sie am 10./11.11.1914 die Rückeroberung. Allerdings hatte die Deutsche Heeresleitung den Gegner unterschätzt und es kam zu hohen Verlusten. Erst am 18.11.1914 wurde der Angriff abgebrochen.
Im Bericht der Obersten Heeresleitung vom 11.11.1914 vermerkt:
"Westlich von Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange "Deutschland,
Deutschland über alles" gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen
sie. Etwa 2000 Mann französischer Linieninfanterie wurden gefangengenommen und
sechs Maschinengewehre erbeutet."
Dieser Bericht wurde der deutschen Presse übernommen und trug so ganz wesentlich
zum nun entstehenden „Langemarck-Mythos“ bei.
Bisweilen wird aber angezweifelt, dass sich dieser Kampf bei Langemarck zugetragen hat. Es wird behauptet, die Kämpfe hätten sich 6 Kilometer nordwestlich zwischen Noordschote und Bikschote zutragen und die Ortschaft Langemarck sei nur wegen ihres
deutschklingenden Namens genannt worden. Auch wird die Vermutung angestellt, dass
die Soldaten, die mit voller Ausrüstung über übenäcker stürmen mussten, sicher nicht
enthusiastisch das Deutschlandlied gesungen hätten.
Durch die Erwähnung der ersten Zeile des Deutschlandlieds sollte der Eindruck erweckt
werden, dass es bei dem besagten Angriff zum spontanen Ausbruch patriotischer Gefühle
kam. Bereits am ersten Jahrestag der Kämpfe nördlich von Ypern veröffentlichten
zahlreiche deutsche Zeitungen Artikel über den angeblichen Opfergang bei Langemark,
wobei unter anderem die Forderung nach einem "Langemarck-Tag" formuliert wurde.
Auch in Schulfeiern gedachte man der gefallenen "Langemarck-Kämpfer". Dabei wurden
die Gestorbenen der deutschen Jugend oftmals als vorbildlich dargestellt. Nach dem Ende
des vom Deutschen Reich verlorenen Krieges war das Verlangen nach Heldenverehrung
offenbar besonders stark. 1919 veranstalteten ehemalige Angehörige des XXVII.
Reserverkorps in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche eine "Langemarck"-
Gedenkfeier. Im selben Jahr führte die nationale Studentenorganisation einen
"Langemarck-Tag" ein, der jährlich an deutschen Universitäten zelebriert wurde. 1924
fanden sich etwa 2000 Mitglieder von Jugendbünden auf der Rhön ein, um der Enthüllung
eines Langemarck-Denkmals beizuwohnen. 1928 wurde der "Deutschen Studentenschaft"
die Aufgabe übertragen, bei Langemark einen Soldatenfriedhof anzulegen. Die
Studentenschaft gründete eine "Langemarck-Stiftung" und konnte den Bau des Friedhofs mit Hilfe von Spendengeldern bis zum Juli 1932 fertig stellen. Anlässlich der Einweihung des Friedhofs fanden im gesamten Deutschen Reich zahlreiche Gedenkfeiern statt.
Der Langemarck-Mythos wurde gegen Ende der 20er Jahre auch von den
Nationalsozialisten aufgegriffen. Die NSDAP versuchte dadurch, die gebildete Jugend für
sich zu gewinnen. Dabei wurde auch Kritik an dem bedenkenlosen Umgang mit dem
Leben junger Menschen bei Langemark geäußert, nur um darauf hinzuweisen, dass ein
"Führer" dem Tod dieser Soldaten einen höheren Sinn verliehen und dabei den Sieg
garantiert hätte, der 1914 nicht errungen wurde. Der "Führer", der 1914 gefehlt habe, sei
1933 in der Gestalt von Adolf Hitler erschienen. Basierte der Langemarck-Mythos zunächst
auf der Vorstellung, es hätten sich vor allem Schüler und Studenten bereitwillig für ihr
Vaterland geopfert, gingen die Nationalsozialisten zu Beginn der 30er Jahre dazu über, die
"Langemarck-Kämpfer" als junge Arbeiter, Kaufleute, Bauern und Studenten darzustellen,
unter denen letztere nur einen Bruchteil ausgemacht hätten. Entsprechend wurde 1934 die
"Langemarck-Spende der Deutschen Studentenschaft" in eine Spende der "Deutschen
Jugend" umgewandelt. Dadurch sollte dem Mythos sein elitärer Charakter genommen
werden, um ihn allmählich zugunsten anderer Mythen, die der nationalsozialistischen
Weltanschauung eher entsprachen, zu verdrängen. Dazu zählte insbesondere der Mythos vom harten, durch das Fronterlebnis gealterten und gereiften Verdun- und Somme- Kämpfer, welcher der Umsetzung der NS-Ideologie dienlicher war.
Die Schlacht bei Langemarck und der damit verbundene Langemarck-Mythos ist heute
aus dem Bewusstsein der breiten Bevölkerung verschwunden. Insbesondere bei einigen
Burschenschaften spielt er jedoch noch eine Rolle. So gehört das Wissen um die Schlacht bei Langemarck zum „Ausbildungskanon“ des Coburger Convents und es finden auch Kranzniederlegungen am Bremer Langemarck-Denkmal statt.
Möckernstraße
[Quelle: http://www.jerichower-land-online.de/vwgmoeckern/moeckern/moeckerngeschichte.htm]
Von alters her war Möckern ein Städtchen der Bauern und Handwerker. Erst zu Beginn
dieses Jahrhunderts siedelten sich größere Betriebe an. Die historische städtische
Entwicklung Möckerns lässt sich bis auf die Hälfte des 10. Jahrhunderts zurückverfolgen.
Erstmals wurde Möckern in einer Urkunde Ottos I. im Jahre 948 als wendischer Ort
"Mocrianici" - nasser Ort - erwähnt. Die Wenden, ein slawischer Volksstamm aus den
Steppengebieten des Ostens, bauten in Möckern an der Stelle, wo heute das Schloss
steht, eine Burg. In den kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahre 983 eroberten die
germanischen Stämme dieses Gebiet. Reste dieser Zeit sind der Schlossturm, der
Rundturm am Ehleteich, der Stadtgraben am Schlosspark und die Mauer. Große
Besitztümer an Acker, Wiesen und Wald gehörten zum Rittergut Möckern, das
verschiedene adlige Familien als Lehen besaßen. Zeitweise hatte aber auch das
Domkapital in Magedeburg die Oberhoheit über Möckern. Das Domkapital belieh Christian
Wilhelm zu Münchhausen im Jahre 1713 mit dem Rittergut. Im Jahre 1715 erbaute er
anstelle der alten Wendeburg das erste Schloss. Wilhelm Adelbert Hermann Leo vom
Hagen ließ im Jahre 1840 das Schloss nach seinen Plänen umbauen und um eine Etage
erweitern. Somit erhielten die Giebel Zinnverzierungen und der Schlossturm anstelle des
Schieferdaches eine doppelte Zwiebelkuppel. Im Jahre 1760 wurde mit der Anlegung und
Gestaltung des Parkes durch die Besitzer vom Hagen begonnen. Von historischer
Bedeutung ist die alte Heeresstraße. Sie führte, heute noch erkennbar, durch die Orte
Zeppernick, Dalchau, Wallwitz, Vehlitz. Auf dieser Straße wurden Anfang des Jahres 1813 preußische und russische Truppen geführt, die Napoleon eine entscheidende Niederlage in den Gefechten um Möckern, Zeddenick, Vehlitz und Dannigkow erteilt haben. [Befreiungskriege um 1813. Im Winter 1812/1813 hatten sich die
zurückweichenden napoleonischen Truppen hinter die Elbe zurückgezogen und in die
Festung Magdeburg verschanzt. Im Frühjahr 1813 drangen sie von dort vor und
versuchten Gebiete östlich der Elbe zu besetzen. Dabei kam es am 5. April 1813 im
Gebiet zwischen der Stadt Möckern und den Gemeinden Vehlitz, Zeddenick, Wallwitz,
Danigkow und Ladeburg zu mehreren Einzelgefechten zwischen den verbündeten
peußisch-russischen Truppen unter dem General York von Wartenberg, der in der
Konvention von Tauroggen am 30.12.1812 Frieden mit den Russen geschlossen hatte,
und den Franzosen. Besonders umkämpft waren Dannigkow und der sumpfige
Ehleübergang vor Vehlitz. Die zahlenmäßig überlegenen Franzosen wurden geschlagen
und zogen sich nach Magdeburg zurück. Das war der erste Sieg im Jahre 1813 auf
deutschem Boden und gewissermaßen der Auftakt der Kämpfe, die in der Völkerschlacht
am 16.10.1813 bei Leipzig und damit der Befreiung ihr Ende fanden.]
Vom 16. bis 18. Oktober 1813 kämpften bei Leipzig in Sachsen die Truppen Kaiser
Napoleons und der Verbündeten in der Völkerschlacht gegeneinander. In der wichtigsten
Schlacht der Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft haben die
verbündeten, zahlenmäßig überlegenen Heere der Österreicher, Preußen, Russen und
Schweden, den Franzosen unter Napoleon die entscheidende Niederlagen beigebracht.
Bei der Schlacht fielen von etwa 400.000 beteiligten Soldaten etwa 130.000. Im Jahre
1913, also genau 100 Jahre später, wurde das 91 m hohe Völkerschlachtdenkmal
fertiggestellt. Es steht an der Stelle, an der die heftigsten Kämpfe tobten und die meisten
Soldaten fielen. Dieses gewaltige Monument ist eines der Wahrzeichen LeipzigsGegen 1
Uhr hielten die Monarchen von Preußen und Russland ihren Einzug in Leipzig unter dem
begeisterten Jubel der Bevölkerung, der eine Zeitlang das entsetzliche Elend vergessen
machte, welches die ungeheure Menge von Verwundeten und Kranken in der Stadt
verursachte. Die dreitägige Schlacht hatte auf beiden Seiten gewaltige Opfer gekostet: die
Preußen zählten 16.000 Mann und 600 Offiziere an Toten und Verwundeten, die Russen
21.000 Mann und 860 Offiziere, die Österreicher 14.000 Mann und 400 Offiziere. Die
Franzosen verloren 30.000 Mann an Toten und Verwundeten, 15.000 Gefangene, 300
Geschütze und ließen 23.000 Mann in den Lazaretten zurück. [Quelle:
http://www.matheboard.de/lexikon/V%F6lkerschlacht_bei_Leipzig,definition.htm].
Nettelbeckstraße
Joachim Nettelbeck - Seefahrer, Sklavenhändler, Bierbrauer und Patriot Joachim Nettelbeck, deutscher Schiffskapitän, * 20. 9. 1738 Kolberg, † 29. 1. 1824 Kolberg; Bürgeradjutant in Kolberg, das er zusammen mit A. N. von Gneisenau und F. von Schill erfolgreich gegen die Franzosen verteidigte.
Joachim Nettelbecks in vielfachen Auflagen erscheinende Autobiographie beginnt mit den Sätzen:
"Am 20. September 1738 ward ich zu Kolberg geboren und bekam den Taufnamen
Joachim. Sobald ich habe lallen können, stand mein Sinn darauf, ein Schiffer zu werden.
Aus jedem Holzspan, aus jedem Stückchen Baumrinde, das mir in die Hand fiel, schnitzte
ich kleine Schiffchen, rüstete sie mit Segeln von Federn oder Papier aus und ließ sie in
Rinnsteinen, auf Teichen oder gar auf der Persante schwimmen."
Er brennt als Elfjähriger bei der ersten Gelegenheit durch und fährt zur See, wird bald
erfahrener Seemann und preußischer Schiffskapitän - für Hinterpommern fast ein
Weltmann. Er ist auf Sklavenschiffen in Afrika und Amerika unterwegs, aber auch als
Kapitän mit dem eigenen Schiff innerhalb Europas und sogar als Fischer auf dem Stettiner Haff, bevor er sich wieder in Kolberg niederlässt und wie sein Vater Brauer und Branntweinbrenner wird.
Anfang des 19. Jahrhunderts ist Nettelbeck zwar wegen seiner Rechthaberei und
Arroganz nicht sehr beliebt aber als Mitglied der Stadtältesten von Kolberg ein geachteter
Mann. Da stehen Anfang 1807 plötzlich die Truppen Napoleons vor den Toren Kolbergs.
Nettelbeck, damals schon fast ein alter Mann, gerät in Widerspruch zum Kommandeur der
Verteidungstruppen Lucadou. In Eingaben an den König betreibt er die Ablösung
Lucadous. Der Oberkommandierende Kolbergs, Major Gneisenau, bindet Nettelbeck in die
Verteidigung der Festung ein und macht ihn zum Chef des Feuerlösch- und
Überschwemmungswesens. Anfang Juli befindet sich die Festung Kolberg kurz vor dem
Fall, als der Frieden von Tilsit geschlossen wird und damit auch die Kriegshandlungen an
der Festung Kolberg beendet sind.
Die Memoiren Nettelbecks, die 1823 erscheinen, finden in ganz Deutschland eine
begeisterte Leserschaft. Nettelbecks Erfolgsautobiographie wird vielfach nachgedruckt
und auch heute noch gelesen. In Preußen wurde Nettelbeck gefeiert als Vorbild eines
opferfreudigen und Gemeinsinn-orientierten Bürgers. Im Nazi-Deutschland wird Nettelbeck durch den Film Kolberg vollends zum Mythos.
Nollendorfer Straße
Nach dem Untergang der "Großen Armee Napoleons" in Rußland (1812) und der Konvention von Tauroggen (30.12.1812) verband sich Preußen mit Rußland gegen Frankreich.Am 3.2.1813 Bildung freiwilliger Jägerkorps, am10. März 1813- Stiftung des Eisernen Kreuzes. Die russische und die preußische Armee gingen nach den Gefechten bei Groß-Görschen (2.5.1813) und Bautzen (20. und 21.5.1813) hinter Elbe und Spree zurück. Erst nach Ablauf des Waffenstillstands und ergebnislosen Verhandlungen zwischen Napoleon und Metternich traten auch England und Schweden der Koalition bei, nachdem Österreich (Vertrag von Reichenbach, 27.6.1813) vorangegangen war.Die Hauptarmee unter Fürst Schwarzenberg, die schlesische unter Blücher und Gneisenau und die Nordarmee unter Bernadotte drängten die franz. Heere durch die Siege bei Großbeeren (23.8.1813) und Dennewitz (26.9.1813), bei Dresden (26./27.8.1813) und Nollendorf (30.8.1813) und an der Katzbach (26.8.1813) sowie nach dem von Blücher und Yorck erzwungenen Übergang über die Elbe bei Warthenburg (3.10.1813) bei Leipzig zusammen. Die Niederlage in der Völkerschlacht (16. bis 18.10.1813) zwang Napoleon zum Rückzug über den Rhein, den die Verbündeten Januar 1814 überschritten.
Roßbachstrasse
Roßbach ist ein Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Unteres Geiseltal im Landkreis Merseburg-Querfurt in Sachsen-Anhalt. Der Ort liegt rund 15 km südlich von Merseburg.
Schlacht von Roßbach
Quelle: Wikipedia, der freien Enzyklopädie
In der Schlacht bei Roßbach in Kurfürstentum Sachsen (heute Sachsen-Anhalt) am 5.
November 1757 besiegte der preußische König Friedrich der Große die Franzosen unter
dem Prinzen von Soubise (1715-1787) und die mit ihnen koalierende Reichsexekutionsarmee unter dem Kommando des Reichsgeneralfeldmarschalls Prinz
von Sachsen-Hildburghausen. Die Schlacht markiert einen der Wendepunkte im
Siebenjährigen Krieg: Seither beschränkte sich die Konfrontation mit Frankreich auf die
Westdeutschen Gebiete, erst 50 Jahre später unter Napoleon sollten französische
Truppen wieder so weit nach Deutschland vordringen.
Die Schlacht wurde, wiewohl ihre Auswirkungen im gesamtstrategischen Kontext
hinsichtlich des europäischen Kriegsschauplatzes eher als gering zu qualifizieren sind
(Hauptgegner war und blieb Österreich mit seiner weitaus besser ausgebildeten Armee
und vor allem einer energischen Kriegsherrin Maria Theresia), zu einem
Identifikationsereignis mit der preußischen Sache für ganz Deutschland. Mehr noch als
den persönlichen Erfolg eines Landesfürsten symbolisierte die gewaltige Niederlage der
Franzosen den Sieg der deutschen Sache und erweckte ein spätestens seit der Tragödie
des Dreißigjährigen Krieges verblichenes gesamtdeutsches Nationalbewusstsein
wenigstens (aber gewiss nicht ausschließlich) auf protestantischer Seite wieder zum
Leben.
Roßbach wurde - wie es sich auch in Goethes "Dichtung und Wahrheit" belegt findet - zum Fanal einer neuen deutschen Mentalität - nicht mehr Duckertum und Unterordnung unter fremde, insbesondere französische Kulturhoheit, nein, Selbstbewusstsein und
Selbstwertgefühl waren die Devise der heranwachsenden Generation. Die Überwindung
des alten enghorziontigen Partikulardenkens wie auch die Begeisterung für die jetzt erst
aufblühende deutschsprachige Literatur fanden ihren reputativen Bezugspunkt, ihre
Symbolfigur in der Gestalt des siegreichen deutschen Königs von Preußen. Mit Goethe
"fritzisch" gesonnen zu sein hieß, die deutsche Idee wieder hochzuhalten - eine
Entwicklung, als deren wirkungsmächtigsten Auslösungsakt wir die Schlacht bei Roßbach in der geschichtlichen Retrospektive begreifen dürfen.
Die Schlacht selbst dauerte nur wenige Stunden und brachte eine
eindeutige Entscheidung. Über zehntausend Verlusten von Franzosen und Reichsarmee (insbesondere zahlreichen Gefangenen) standen kaum einhundert preußische Gefallene und vielleicht fünfhundert Verwundete gegenüber. Bedeutenden Anteil am Sieg hatte die Kavallerie unter dem Kommando des jungen Generalleutnants von Seydlitz, der sich auf diesen Feldern dauernden Feldherrenruhm erwarb. Dem massierten Angriff von 6.000 preußischen Kürassieren konnte die französische Front nicht lange widerstehen, nachdem bereits der preußische Infanterieangriff, insbesondere die Attacke des Infanterieregiments Nr. 5 Alt-Braunschweig, die gegnerischen Linien schwer ins Wanken gebracht hatte. Unmittelbare Folge des preußischen Sieges war der nicht anders als chaotisch zu bezeichnende Rückzug der französischen Truppen in Richtung Westen.Die Reichsarmee sammelte sich wieder und nahm auch fernerhin am österreichischen Kampf gegen Friedrich teil (so einen Monat später bei Leuthen), konnte aber keinen bedeutenden Beitrag zur militärischen Entwicklung des Krieges leisten, was nicht zuletzt mit ihrer miserablen wirtschaftlichen Konstitution zusammenhing, wenngleich man als Hauptgrund sicher die mangelhafte Motivierung der Truppe anführen muss: Ein Gros der Soldaten entstammte dem protestantischen Milieu (so vor allem Sachsen und Württemberger) und empfand deshalb klammheimlich Sympathie mit dem allgemein als Vertreter der evangelischen Sache in Europa anerkannten preußischen Monarchen. Auch der Nimbus der siegreichen preußischen Armee, ihre modernere Ausbildungs- und
Verpflegungssituation trugen vielfach zu massenhaften Desertionen besonders von
Reichsarmeeangehörigen zu den preußischen Fahnen bei.
In Frankreich selbst wurden die Stimmen lauter, die für eine Beilegung des Konfliktes mit Preußen eintraten. Insbesondere der frühere Fürsprecher der Kriegspartei, der
Außenminister Abbé Bernis, erkannte die Aussichtslosigkeit weiterer Interventionen auf
deutschem Boden und sprach sich für einen Friedensschluss aus, was indes lediglich
seiner Karriere am französischen Königshof ein rasches Ende bereiten sollte.
►Siebenjähriger Krieg (1756-1763). Eine Mehrheit des Reichstages (ohne Hannover,
Hessen-Kassel und Braunschweig-Wolfenbüttel) erklärt Friedrich II. den Reichskrieg. 26.7. Bei Hastenbeck werden englisch-hannoversche Truppen von den Franzosen besiegt. Preußen marschiert in Böhmen bis Prag vor, muss das Land aber nach der Niederlage bei Kolin (der englischen General Keith wird hart vom österreichischen Feldmarschall Laudon bedrängt) wieder räumen. Bei Großjägersdorf verliert es am 30.8. gegen die in Ostpreußen einmarschierten Russen. Im September fallen die Schweden in Pommern ein, und Berlin wird von Österreichern besetzt. Friedrich II. scheint verloren. Am 5.11. kann Preußen die Franzosen und das Reichsheer bei Roßbach schlagen, und am 5.12. den dreifach überlegenen österreichischen Gegner in der berühmt gewordenen Schlacht bei Leuthen durch geschickte Taktik, die auf österreichischer Seite allein vom Grafen Franz von Nádasdy durchschaut wurde, vollständig besiegen. Dabei gerät Friedrich II. nach seinem Sieg beinahe in österreichische Gewalt.
Sedanstraße
Industriestadt im nordostfranzösischen Département Ardennes, an der Maas, 22 400
Einwohner; Textilfachschule; Eisen-, Metall-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie.
Sedan war bis 1875 eine starke Festung. Am 1./2. 9. 1870 fand dort die Entscheidungsschlacht im Deutsch-Französischen Krieg statt: Sieg über die französische
Armee unter Mac-Mahon, Gefangennahme Napoleons III. Am 13. 5. 1940 erfolgte bei
Sedan der Durchbruch der Deutschen durch die Maginotlinie.
Tauroggener Straße
30. Dezember 1812: Tauroggen - Ein Hochverrat wird Fanal nationaler Erhebung
Weihnachten 1812 nähert sich eine russische Armee Ostpreußen. Bei Tauroggen, an der
litauischen Grenze, stößt sie auf ein preußisches Hilfskorps, das per Vertrag mit den
napoleonischen Truppen verbunden ist. Doch statt eines Scharmützels gibt es ist ein
freudiges Wiedersehensfest, denn an der Spitze der Russen reiten der kommandierende
General Graf Diebitsch aus Groß-Leipe in Schlesien und der Generalinspekteur Freiherr vom Stein aus Berlin, und sie erkennen mit großer Freude in dem Kommandeur der Preußen ihren alten Freund Graf Yorck von Wartenburg aus Potsdam. Die Militärs, sämtlichst preußischer Schule, finden sich in einer alten Mühle des Dorfes Poscherunen bei Tauroggen, ca. 30 km nordöstlich der Stadt Tilsit zusammen und schmieden einen geradezu ungeheuerlichen Plan: Auf eigene Faust soll der preußische Heerführer Graf Yorck zu den Russen unter Diebitsch und Stein überlaufen und gemeinsam soll es nunmehr gegen den Feind Napoleon gehen. Das ist Hochverrat, doch zugleich ein Plan zur Befreiung Preußens von der napoleonischen Fremdherrschaft!
Yorck enthebt seine Soldaten ihrer Pflicht gegen Napoleon, entbindet sie des Eides gegen den König und „neutralisiert“ sie. Am 30. Dezember 1812 wird die denkwürdige „Konvention von Tauroggen“ geschlossen.
Yorck beordert sofort einen Kurier nach Berlin, um dem preußischen König seinen
Hochverrat ordnungsgemäß zu melden. Friedrich Wilhelm III. enthebt seinen Truppenchef General Yorck des Kommandos, was dieser aber nur aus der Zeitung erfährt und nicht nur deshalb nicht zur Kenntnis nimmt:
„Ich werde daher um so unbedenklicher fortfahren, das General-Kommando des Korps
und andere Funktions usw. auszuüben, da bekanntlich im preußischen Staat eine Zeitung
kein offizielles Staatsblatt ist, und bis jetzt noch kein General seine Verhaltungsbefehle
durch die Zeitungen erhalten hat.“
Friedrich Wilhelm III. zieht es vor, ins unbesetzte Breslau zu fliehen. Hier erwarten ihn
schon Hardenberg, Scharnhorst, Blücher und Gneisenau. Stein und der russische Zar kommen hinzu.
Napoleons Truppen sind so gut wie zerschlagen, Russland und Österreich stehen als
Verbündete bereit, England, Dänemark und Schweden ebenso, dazu das Volk in
fieberhafter Erwartung.
Europa ist bereit, die Fremdherrschaft Napoleons abzuschütteln.
Stein und Hardenberg legen ihm eine Proklamation vor. Am 17. März 1813 unterschreibt
Friedrich Wilhelm:
„An mein Volk! Brandenburger, Preußen, Schlesier, Pommern, Lithauer! Ihr wißt, was Ihr seit fast sieben Jahren erduldet habt, Ihr wißt, was Eurer trauriges Loos [sein wird], wenn wir den beginnenden Kampf nicht ehrenvoll enden. Erinnert Euch an die Vorzeit, an den großen Kurfürsten, den großen Friedrich! Bleibt eingedenk der Güter, die unter ihnen unsere Vorfahren blutig erkämpften: Gewissensfreiheit, Ehre, Unabhängigkeit, Handel, Kunstfleiß und Wissenschaft. Gedenkt des großen Beispiels unserer mächtigen Verbündeten, der Russen, gedenkt der Spanier, der Portugiesen. Selbst kleinere Völker sind für gleiche Güter gegen mächtigere Feinde in den Kampf gezogen und haben den Sieg errungen. Große Opfer werden von allen Ständen gefordert werden: denn unser Beginnen ist groß, und nicht geringe die Zahl und die Mittel unserer Feinde. Aber, welche Opfer auch von Einzelnen gefordert werden mögen, sie wiegen die heiligen Güter nicht auf, für die wir sie hingeben, für die wir streiten und siegen müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, Preußen und Deutsche zu sein.“
Der Aufruf gibt das Zeichen zum Befreiungskrieg gegen Napoleon.
Waterloo Straße
Stadt in der belgischen Provinz Brabant südlich von Brüssel, 16 900 Einwohner;
Denkmalshügel mit dem englischen Löwen; Fremdenverkehr.
In den Befreiungskriegen am 18. 6. 1815 bei Waterloo entscheidender Sieg Wellingtons
und Blüchers über Napoleon I., der hierauf endgültig verbannt wurde; auch Schlacht von
Belle-Alliance genannt.
Yorckstraße
Quelle: www.preussen-chronik.de
Johann David Ludwig Yorck Graf von Wartenburg(* 26. 07. 1759 in Potsdam, † 10.
04. 1830 in Klein Oels.
Der spätere Feldmarschall Graf von Wartenburg wurde als Sohn des Kapitäns
(Hauptmann ) einer Infanteriekompanie von Yorck und der bürgerlichen Mutter geb. Plug geboren.
Nachdem der Vater nach 43 Jahren und der Teilnahme an vielen blutigen Schlachten des
Siebenjährigen Krieges als Kriegsinvalide entlassen wurde, trat der Sohn Johann David
ebenfalls in die preußische Armee ein. Mit 13. Jahren wurde er Junker in einem
Infanterieregiment. 1777 wird er dann mit 18. Jahren Secondeleutnant. Während des
letzten Feldzuges Friedrichs des Großen 1778/79, gab es für den jungen Offizier keine
Gelegenheit sich auszuzeichnen. Statt dessen opponierte er gegen einen Kapitän, der im
Verdacht stand, sich unrechtmäßig bereichert zu haben. Aufgrund dieser Insubordination wurde Yorck zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Hier zeigte sich schon seine Eigenständigkeit und Willenskraft, auch gegenüber Vorgesetzten, die ihn in Zukunft charakterisierten und die ihn befähigte eigenmächtig die Konvention von Tauroggen zu schließen.
Nach dem Verbüßen seiner Strafe gelang es Yorck zunächst nicht eine Wiedereinstellung
in die preußische Armee zu erreichen. Durch eine Empfehlung des Prinzen von Preußen
erlangte er aber 1781 den Posten eines Kapitäns in der niederländischen Armee. Mit
dieser ging er nach Kapstadt und machte 1783/84 einen Feldzug in Ostindien mit. Diese
Zeit, in der er auf sich allein gestellt war, formte seine Persönlichkeit nachhaltig. 1786
stellte er sich nochmals in Potsdam beim alten König vor, der seine Wiedereinstellung
aber nochmals ablehnte. Erst nach einem weiteren vergeblichen Versuch bei Friedrich
Wilhelm II. wurde er 1787 als Kapitän wieder in preußische Dienste genommen.
Während des polnischen Feldzuges 1794 bewährte sich Yorck in einem Maße, dass König
Friedrich- Wilhelm II. auf ihn aufmerksam wurde und ihm ein eigenes Bataillon verlieh.
1799 wird er zum Kommandeur eines Jägerregimentes ernannt. Obwohl ihm diese
Aufgabe nicht sonderlich gefiel, er bat mehrmals vergeblich um seinen Abschied, formte er aus seinem Regiment einen hervorragenden Kampfverband. Seiner eigenen Angabe
zufolge lag ihm nicht daran seine Männer wie „wilde Tiere nach Musik abzurichten,
sondern mitdenkende und selbsttätige Soldaten auszubilden, die das zerstreute Gefecht
beherrschten“.
In dieser Zeit war das kein selbstverständlicher, geschweige denn üblicher Vorsatz.
Während des Krieges gegen Napoleon von 1806 führte er die Vorhut des Herzogs von
Weimar. Als die Nachricht von der Katastrophe der Doppelschlacht von Jena und
Auerstedt eintraf, zog sich dieser Verband durch den Harz zurück und vereinigte sich mit dem Korps Blücher. Yorck erhielt den Auftrag, den Abmarsch Blüchers nach Norden zu decken und führte dazu bei Altenzaun 1806 ein Gefecht, in dessen Verlauf er alle
französischen Angriffe abschlagen und sogar noch zum Gegenangriff übergehen konnte.
Hier machte sich die fortschrittliche Ausbildung seiner Männer bezahlt. Später stand er mit Blücher bei Lübeck. Dort wurde Yorck in Straßenkämpfen in der Stadt verwundet und von den Franzosen gefangen genommen. 1807 wurde er dann zum Generalmajor befördert. Der König übertrug ihm der den Befehl über das Hilfskorps, zu dem sich Preußen in einem Bündnis mit Frankreich verpflichtete. An der Spitze seines Korps nahm Yorck am unglücklichen Rußlandfeldzug Napoleons teil. Nach dem Rückzug der Großen Armee Napoleons und deren Zerschlagung war das preußische Korps von den Franzosen abgeschnitten. In dieser Situation entschloß sich Yorck, entgegen seinem Auftrag und ohne Wissen seines Königs eine Übereinkunft mit den Russen zu treffen.
In der Konvention von Tauroggen vom 30.12.1806 sicherte er die Neutralisierung seiner
Truppen unter der Bedingung zu, dass Rußland den Krieg gegen Frankreich weiterführen würde, bis Preußen und Europa von der französischen Besetzung befreit seien. Im Gegenzug griff das preußische Korps nicht in die französisch- russischen Kämpfe ein, bis die Konvention vom preußischen König gebilligt wurde. Zunächst jedoch verwirft Friedrich- Wilhelm III. den Vertrag, da er einen Bruch des französisch- preußischen Bündnisses bedeutete. Erst unter dem Druck der Öffentlichkeit stimmte er dem Bündniswechsel zu. Eine Kommission prüfte die Konvention und sprach Yorck von allen Vorwürfen ob seiner Eigenmächtigkeit frei. Mit der Konvention von Tauroggen gab Yorck den Anstoß zu den Befreiungskriegen und der Erhebung Preußens gegen Frankreich.
Seine große taktische Begabung zeigte York während des folgenden Krieges gegen
Napoleon. 1813, als er bei Wartemburg gegen den französischen Widerstand den
Elbübergang errang und so Napoleon zwang von der Elblinie abzurücken, die diesem
zuvor immer wieder Schutz bot. Für diese Leistung wurde von York dann der Ehrenname Yorck Graf von Wartemburg vom preußischen König verliehen. Während des ersten Tages der Völkerschlacht von Leipzig trug das Korps York die Hauptlast der Kämpfe bei Möckern. Doch nicht nur Siege waren ihm beschieden, auch Niederlagen hatte York zu verantworten. Die schwere Niederlage des russischen Generals Sacken bei Montmirail 1814 ging auf das Konto Yorks, da er nicht rechtzeitig eingriff. Nach der Beendigung des Krieges wird York Graf von Wartemburg zum Oberbefehlshaber in Schlesien ernannt. In den Feldzug gegen den zurückgekehrten Napoleon, der mit der Schlacht von Waterloo 1815 endete, griff er aber nicht mehr aktiv ein. Am 26.12.1815 nahm York seinen Abschied und erhielt 1821 noch den Titel eines Generalfeldmarschalls.
Yorck, Johann David Ludwig Graf von Wartenburg, Offizier, Generalfeldmarschall,
26.9.1759 Potsdam, + 04.10.1830 Oels; wegen Ungehorsams 1779 zu einem Jahr
Festungshaft verurteilt, trat er erst 1787 wieder in preußische Dienste. 1807 zum
Generalmajor befördert, war er 1812 zunächst 2. Kommandeur, dann Oberbefehlshaber
des preußischen Hilfskontingents im Russlandfeldzug. In dieser Eigenschaft
unterzeichnete er eigenmächtig die sog. Konvention von Tauroggen am 30.12.1812. Im
März 1813 rehabilitiert, nahm er aktiv an den Befreiungskriegen in Deutschland teil. Für
seine Leistungen in diesem Krieg wurde ihm der Titel Yorck „Graf von Wartenburg
verliehen. 1815 schied Yorck auf eigenen Wunsch aus dem aktiven Militärdienst aus und
zog sich auf sein Gut in Oels/Schlesien zurück. 1821 erhielt er dennoch den Titel eines
Generalfeldmarschalls.
Siehe auch
- Historisch belastete Straßennamen in der Bremer Neustadt
- Straßennamen-Umbenennungen in der Bremer Neustadt
Ergebnis des Arbeitskreises Straßennamen: Teil 1 | Teil 2 | Download (PDF)
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