Ergebnis des Arbeitskreises Straßennamen - Teil 1

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Siehe auch: Historisch belastete Straßennamen in der Bremer Neustadt

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07.11.2005

Arbeitskreis Straßennamen in der Neustadt-Bremen

Auflistung aller Straßennamen in der Bremer Neustadt, deren Namensgebung auf

  • Antisemitismus
  • Faschismus
  • Nationalsozialismus
  • Kolonialismus und
  • Kriegszusammenhängen

beruht.

Inhaltsverzeichnis

Betroffene Straßennamen in der Neustadt:

  1. Gneisenaustraße
  2. Graudenzer Straße
  3. Günther Straße
  4. Kolberger Straße
  5. Langemarckstraße
  6. Möckernstraße
  7. Nettelbeckstraße
  8. Nollendorferstraße
  9. Roßbachstrasse
  10. Sedanstraße
  11. Tauroggener Straße
  12. Waterloostraße
  13. Yorckstraße

Es wurde eine Klassifizierung für die Straßennamen eingeführt:

  1. Höchst brisant (dringender Handlungsbedarf)
  2. bedenklich (Handlungsbedarf)
  3. unbedenklich (kein Handlungsbedarf)

Als Klasse 3 (unbedenklich) wird von den 13. bisher identifizierten Straßennamen
in der Neustadt nur die
Günther Straße
eingestuft. Der Arbeitskreis ist sich einig, dass hier kein Handlungsbedarf besteht.

Als Klasse 2 (bedenklich) werden die Straßen mit Namen aus den „Befreiungskriegen“ eingestuft. Hierzu gehören die:
Gneisenaustraße
Graudenzerstraße
Kolbergerstraße
Möckernstraße
Nettelbeckstraße
Nollendorferstraße
Rossbachstrasse
Sedanstraße
Tauroggenerstraße
Waterloostraße
Yorckstraße.

Der Arbeitskreis ist sich einig, dass bei diesen Straßennamen Handlungsbedarf besteht. Hier sollen Erklärungsschilder, die unter den Straßennamensschildern angebracht werden, zur Aufklärung beitragen. [Gleichzeitig wurde angeregt, ob solche Erklärungsschilder auch an andere Straßen angebracht werden können, z.B. im Zuge der Straßennamensgebung rund um den Flughafen, etc.. Um die Kosten zu tragen, soll über Patenschaften für solche Schilder nachgedacht werden].

Als höchst brisant (Klasse 1) wird als einzige die Langemarckstraße eingestuft. Die Recherchen im Stadtarchiv haben ergeben, dass 1937 die ehemalige „Große Allee“, „Kleine Allee“ und „Meterstraße“ in die jetzige „Langemarckstraße“ umgenannt wurde. Dies geschah am Langemarcktag (11.11.1937) bei der Langemarck-Feier zum Gedenken an die Schlacht bei Langemarck und „dem Heldentod deutscher kriegsfreiwilliger Studenten“ (Zitat aus der Bremer Zeitung, 12.11.1937). Als Handlungsbedarf werden drei Möglichkeiten definiert:

  1. Umbenennung der Straße
  2. Kunstobjekt als Gedenkobjekt (gekoppelt an einen Ideenwettbewerb)
  3. Erklärungsschild unterhalb des Straßenschildes
  4. Geschichtslehrpfad (Infotafeln, Kunstobjekte, die auf die Geschichte der Langemarckstraße und ihre Namensgebung hinweisen).

Welche dieser Möglichkeiten umgesetzt werden soll, soll in einer Anwohnerversammlung diskutiert werden.

Recherchen:

Straßennamen-Umbenennungen [z.T. nach 1945] in der Neustadt:

Jetziger Name Früherer Name
Friedrich-Ebert-Straße (Teilstrecke) Richthofenstraße
Friedrich-Ebert-Straße (Teilstrecke) Hermann-Göring-Straße
Leibnizplatz Platz der S.A.
Stephaniebrücke Adolf-Hitler-Brücke (1939-1945)
Große Weserbrücke Adolf-Hitler-Brücke (1933-1939)
(Wilhelm-Kaisen-Brücke) Lüderitzbrücke (1939-1847)


Aus: Porsch, Monika (2003): Bremer Straßenlexikon, Band 2- Neustadt. Verlag Carl Schünemann, Bremen.

Gneisenaustraße

Topogr. Lage: von Buntentorsteinweg bis Gastfeldstraße
Lt. Senatsbeschluss vom 02.12.1913 verlängert von der Kornstr. bis zur Gastfeldstr. Benannt nach August Graf Neithardt von Gneisenau, preußischer Offizier (* 27.10.1760, Schildau/Sachsen; † am 23.08.1831 in Posen). Aus österreichischem Adel, kämpfte er als Offizier 1782/83 auf englischer Seite gegen die Nordamerikaner. Seit 1786 im preußischen Heer, verteidigte er 1807 mit Nettelbeck Kolberg bis zum Friedensschluss von Tilsit. 1818 wurde er Gouverneur von Berlin und 1825 Generalfeldmarschall. Er war einer der bedeutesten Gegenspieler Napoleons und gehörte u.a. der Freimaurer-Loge an.

Graudenzer Straße

Topogr. Lage: von Kornstraße bis Gastfeldstraße
Benannt nach der Stadt Graudenz, poln. Grudziadz, an der Weichsel (103400 Ew.). Im Schutz einer Anfang des 13 Jh. erstmals erwähnten Burg des Deutschen Ordens entstand 1250 die Siedlung Graudenz, der 1291 das Stadtrecht verliehen wurde. 1776 bis 1786 wurde es, seit 1772 zu Preußen gehörend, zur Festung ausgebaut, die 1807 gegen die napoleonischen Truppen siegreich behauptet wurden. 1920 kam Graudenz zu Polen. Nach den starken Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde die Altstadt mit ihren Stadtmauern des 14. und späten 18. Jh. Z.T. rekonstruiert.

Günther Straße

Topogr. Lage: Am Deich bis Osterstraße
Benannt Graf Anton Günther von Oldenburg (* 1583; † 1667), der zunächst unter der Vormundschaft des dänischen Königs Christian der IV zur Herrschaft kam. Der diplomat. begabte Herrscher erkämpfte während des 30jährigen Krieges große Vorteile für sein Land. Ergewann u.a. 1623 die Zustimmung des Kaisers zu dem vor allem gegen Bremen gerichteten heißumkämpften Weserzoll. Alle Schiffe mussten diesen Zoll bei Elsfleth abliefern, sowohl stromauf- als auch stromabwärts. Der bremische Handel litt erheblich unter dieser Maßnahme. Neben seinen taktischen Schachzügen verwirklichte Graf Anton Günther von Oldenburg auch einige wichtige Bauleistungen, zu denen u.a. das Schloss in Oldenburg gehört.

Kolberger Straße

Topogr. Lage: von Kornstraße bis Gastfeldstraße
Benannt nach der Stadt Kolberg in Polen, an der Mündung der Persante in die Ostsee gelegen, mit 467 700 Ew. Eine slawisch städtische Gründung des 9. Jh. Entwickelte sich zum Mittelpunkt eines slawischen Herzogtums, das rasch wieder verfiel. Nördl. der slawischen Gründung wurde im 12 Jh. die deutsche Siedlung Kolberg angelegt, die 1255 lübisches Stadtrecht erhielt und seit dem 14. Jh. der Hanse angehörte. Seit 1627 war Kolberg wichtigste Festung Hinterpommerns, kam 1648 an Brandenburg und nach der preußischen Niederlage von Jena und Auerstedt, 1806, verteidigten J. Nettelberck, F. von Schill und A. Graf Neidhardt von Gneisenau Stadt und Festung Kolberg nahezu 6 Monate lang erfolgreich gegen die frz. Belagerungstruppen. Im März 1945 als „deutsche Festung“ belagert und schwer zerstört, kam Kolberg 1945 unter polnische Verwaltung. Seine Zugehörigkeit zu Polen wurde durch den Dt.-Poln. Grenzvertrag vom 14.11.1990 anerkannt.

Langemarckstraße

Topogr. Lage: von Bürgermeister-Smidt-Brücke bis Neuenlander Straße
Benannt nach dem belgischen Ort Langemarck in Westflandern mit 5000 Ew. Zur Erinnerung an die Kämpfe der Freiwilligenregimenter um Langemarck im November 1914. An der Langemarckstr. Steht ein 1962 erbautes Schulgebäude, in dem heute ein Kindergarten und das Ortsamt untergebracht sind.

Möckernstraße

Topogr. Lage: von Buntentorsteinweg bis Kornstraße
Benannt nach Möckern, einem Vorort von Leipzig. 1813 gab es hier den ersten Teilsieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig, mit über 100 000 Toten und Verwundeten, später Niederlage Napoleons.

Nettelbeckstraße

Topogr. Lage: von Hardenbergstr. bis Kornstraße
Benannt nach Joachim Nettelbeck, Schiffskapitän, preußischer Volksheld (* 20.09.1738 in Kolberg; † 29.01.1824 in Kolberg). In Kolberg war er, 1806 bis 1807, der Verteidiger seiner Vaterstadt, bei der Belagerung durch die Franzosen.

Nollendorfer Straße

Topogr. Lage: von Kornstr. bis Neuenlander Straße
Nollendorf ist ein Schlachtenort von 1813, Niederlage Napoleons.

Roßbachstrasse

Topogr. Lage: von Hardenbergstr. bis Gastfeldstraße Benannt nach Rossbach, dem Schlachtenort von 1757, preußische Siege im Siebenjährigen Krieg. Bei Rossbach schlug Friedrich der Große 1757 die Franzosen und kaiserlichen Truppen.

Sedanstraße

Topogr. Lage: von Buntentorsteinweg bis Gastfeldstraße
Angelegt 1875 und benannt nach Sedan, dem Schlachtenort von 1870. Im Deutsch-Französischen Krieg fand am 1. und 2.09.1870 die Schlacht um Sedan statt. Zwei deutsche Armeen schlossen die frz. Armee MacMahons vollständig ein, wobei Kaiser Napoleon III. in Gefangenschaft geriet. Zwei weitere Schlachtenorte sind Metz und Mars-la-Tour.

Tauroggener Straße

Topogr. Lage: von Kornstr. bis Gastfeldstraße
Benannt nach der Stadt Tauroggen, im Südwesten von Litauen, mit 25000 Ew. Mit der Konvention von Tauroggen, am 30.12.1812 in der Mühle des nahe Tauroggen gelegenen Dorfes Poscherun von dem preußischen General H.D.L. Yorck von Wartenburg und dem General J. Diebitsch unterzeichnet, erklärte sich das preuß. Hilfskorps der frz. Großen Armee im Russischen Feldzug für neutral. Dieser ohne Ermächtigung des preuß. Königs abgeschlossene Neutralitätspakt markierte einen Wendepunkt in den Napoleonischen Kriegen. Preußen löste sich aus den erzwungenen Bündnisverpflichtungen gegenüber Frankreich und nahm im Bündnis mit Russland im Frühjahr 1813 die Befreiungskriege auf.

Waterloostraße

Topogr. Lage: von Kornstr. bis Thedinghauserstraße
Benannt nach der Stadt Waterloo in Belgien, mit 16 900 EW. In den Befreiungskriegen am 18.06.1815 bei Waterloo gab es den entscheidenden Sieg Wellingtons und Blüchers über Napoleon I, der hierauf endgültig verbannt wurde.

Yorckstraße

Topogr. Lage: von Buntentorsteinweg bis Gastfeldstraße
Nach Ludwig Graf Yorck von Wartenburg, preuß. General (* 1759, † 1830) benannt. Er war der Befehlshaber der preuß. Truppen in den Befreiungskriegen gegen Napoleon.

Ausführliche Beschreibungen- Geschichtlicher Hintergrund

Siehe: Ergebnis des Arbeitskreises Straßennamen - Teil 2

Siehe auch

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