Entstehung des Mythos von Langemarck
Aus Geschichtspfad.de
Der Mythos von Langemarck entstand im Ersten Weltkrieg als Verklärung des angeblich freudigen Opfertodes jugendlicher Kriegsfreiwilliger in einer militärisch fehlgeschlagenen Offensive. Dieser Langemarck-Mythos wurde gegen Ende der 20er Jahre auch von den Nationalsozialisten aufgegriffen. Die NSDAP versuchte hiermit, die gebildete Jugend für sich zu gewinnen und für ihre Politik zu missbrauchen. Bis heute halten rechte Studentenverbindungen an dem Mythos von Langemarck fest.
| 10. Nov. 1914 | Verlustreiche Kämpfe bei Ypern im I. Weltkrieg
Bei der belgischen Stadt Ypern entbrannte die erste von insgesamt drei Flandernschlachten im I. Weltkrieg, die Ende November mit dem Erstarren der Front endete. Zu besonders verlustreichen Kämpfen kam es unter anderem am 10. November, wobei allein auf deutscher Seite 2.000 Soldaten fielen. |
| 11. Nov. 1914 | Irreführender Bericht über die Kämpfe bei Ypern am Vortag
Kommentar der Oberste Heeresleitung zu den Kämpfe vom Vortag: „Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange "Deutschland, Deutschland über alles“ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie. Etwa 2000 Mann französischer Linieninfanterie wurden gefangengenommen und sechs Maschinengewehre erbeutet." Dieser Bericht wurde von großen Teilen der deutschen Bevölkerung unkritisch aufgenommen und löste die Entstehung eines Mythos über den heldenhaften Opfergang junger Soldaten aus. Wahrscheinlich wurde in dem Bericht der Ort der Kämpfe nach Langemark (in abgewandelter Schreibweise: Langemarck) verlegt, da Langemarck deutsch klingender ist. |
| 11. Nov. 1915 | Erste Forderungen nach einem Langemarck-Tag
Bereits am ersten Jahrestag der Kämpfe bei Ypern veröffentlichten zahlreiche deutsche Zeitungen Artikel über den angeblichen Opfergang junger Soldaten, wobei unter anderem die Forderung nach einem Langemarck-Tag formuliert wurde. Bereits schon damals wurde durch die Jugend von Langemarck der Krieg heroisiert. |
| 1919 | Langemarck-Gedenkfeier in Berlin
Ehemalige Angehörige des XXVII. Reservekorps veranstalten in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche eine Langemarck-Gedenkfeier. Noch von bürgerlichen Schichte getragen, diente der Mythos mitlerweile zur Sinngebung des verlorenen Krieges. |
| 1924 | Enthüllung eines Langemarck-Denkmals auf der Röhn
Etwa 2.000 Mitglieder von Jugendbünden fanden sich auf der Rhön ein, um der Enthüllung eines Langemarck-Denkmals beizuwohnen. |
| 1926 | Gründung des Stahlhelm-Studentenring Langemarck
Der sich auf den seinerzeit sehr populären Langemarck-Mythos beziehende Name der paramilitärischen Organisation war Programm: Vorrangig jüngere, frontunerfahrene Studenten sollten im "soldatischen und vaterländischen Geist" erzogen werden. |
| 1928 | Ausbau des Soldatenfriedhofs Langemarck-West
Der Todeskult politisierte sich endgültig, als man kurz vor dem Ende der Weimarer Republik den Soldatenfriedhof in Flandern auf Anregung der Deutschen Studentenschaft in eine veritable Totenburg umgestaltete. Zur Finanzierung wurde die Langemarck-Spende gegründet. |
| Seit 1928 | Langemarck-Feiern an allen deutschen Hochschulen
Seit 1928 führte die Deutsche Studentenschaft am 11. November an allen deutschen Hochschulen Langemarck-Feiern durch. Die zentrale Reichsfeier fand jedes Jahr in Berlin statt. |
| Ende der 20er Jahre | Langemarck-Mythos wird von den Nazis aufgegriffen
Die NSDAP versuchte vorrangig durch das Aufgreifen des Langemarck-Mythos, die gebildete Jugend für sich zu gewinnen. Dahinter steckte der Gedanke, dass nichts lebendiger sei als die Toten des Ersten Weltkriegs und dass ihre Taten mit der allzeit zum Kampf bereiten neuen Jugend fortgesetzt werden müssten. |
| Anfang der 30er Jahre | Umdeutung des Lamgemarck-Mythos durch die Nazis
Basierte der Langemarck-Mythos zunächst auf der Vorstellung, es hätten sich vor allem Schüler und Studenten bereitwillig für ihr Vaterland geopfert, gingen die Nationalsozialisten dazu über, die Langemarck-Kämpfer als junge Arbeiter, Kaufleute, Bauern und Studenten darzustellen. Dem Mythos sollte dadurch der elitäre Charakter genommen werden. |
| 10. Jul. 1932 | Fertigstellung des Soldatenfriedhofs Langemarck-West
Anlässlich der Einweihung des Friedhofs fanden im gesamten Deutschen Reich Gedenkfeiern statt. |
| 1934 | Umwandlung der Langemarck-Spende in eine Spende der Deutschen Jugend
Die Langemarck-Spende der Deutschen Studentenschaft in eine Spende der Deutschen Jugend umgewandelt. |
| 1936 | Errichtung der Langemarckhalle in Berlin
Anlässlich der Olympischen Spiele 1936 wurde eine Langemarckhalle zu Ehren der an der Schlacht beteiligten Regimenter von dem Architekten des Olympiastadions Werner March erbaut. Auf eindringliche Weise führt die Gedenkhalle den doppelten Jugendkult des Nationalsozialismus zusammen: Den Körperkult sportlicher Ertüchtigung und den Opferkult soldatischen Mutes. |
| 11. Nov. 1937 | Errichtung der Langemarckstraße in Bremen
Die vormaligen Straßenzüge Große und Kleine Allee sowie Meterstraße in Bremen werden von den Nazis anlässlich des Langemarck-Tages in Langemarckstraße umbenannt. Die Propaganda-Anlage der Nationalsozialisten, mit dem Hauptausgang der heutigen Fachhochschule Bremen hin zur Langemarckstraße und dem bereits 1934 errichteten Langemarck-Denkmal war somit vollendet. |
| Nach 1945 | Der Langemarck-Mythos heute
Insbesondere bei einigen Burschenschaften spielt der Mythos von Langemarck noch eine Rolle. So gehört das Wissen um die Schlacht bei Langemarck zum Ausbildungskanon des Coburger Convents und es finden auch Kranzniederlegungen am Bremer Langemarck-Denkmal statt. |
Siehe auch
Weblinks
- Wikipedia - Mythos von Langemarck
- Langemarck (10. November 1914) auf der Seite des Deutschen Historischen Museums.
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